Viele Sportvereine in Europa feiern seit einigen Jahren runde Geburtstage mit dreistelligen Jahreszahlen, also 100, 125, 150, 175 usw. Das liegt vermutlich daran, dass Sporttreiben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär wurde und die sporttreibenden Menschen sich irgendwie organisierten und damit die entsprechenden Strukturen entstanden. Diese runden Geburtstage sind ein Anlass, in eben diesem Jahr etwas besonderes zu bieten – oder eben nicht, eine Verpflichtung dazu gibt es nicht. Beim Badischen Sportbund kann man eine Art finanzielle Anerkennung beantragen, und zwar in 25 Jahre-Schritten, ab 100 Jahren immerhin dann (gedeckelt) 400 Euro.
Wir können und konnten in diesem Jahr beobachten, was der junge Karlsruher Rheinklub Alemannia zu seinem 100. Geburtstag veranstaltet hat, und auch andere Rudervereine machen ein Jubiläumsprogramm.
Ingrid, Ariane und ich nahmen am 100. Geburtstag des Club d'Avrion de Ponts Vincent teil, einem kleinen französischen Ruderverein am Oberlauf der Mosel in der Nähe von Nancy. Klein heißt: Zwar Umkleideräume, aber keine Duschen. Kein fester Steg und keine große Zahl an Booten. Die Bootshalle ist eine liebevoll umgestaltete Lagerhalle.
Auf dem Oberlauf der Mosel kann man erstaunlich gut rudern, zwischen viel Grün an den Ufern. Im Ruderrevier des Club d'Avrion de Ponts Vincent sind es immerhin 12 Kilometer zwischen den zwei nächstgelegenen Schleusen, mit nur wenig Strömung. Schiffsverkehr ist möglich, aber wir haben an diesem Geburtstag keine Frachter gesehen – nur andere Ruderboote. Der attraktivste Programmpunkt war nämlich folgender: Man konnte sich anmelden und bekam Gig-Boot (4x+) und Steuermann vom Verein für eine Ausfahrt gestellt. So fuhren auch wir kurzweilige 24 Kilometer bei schönsten Sommerwetter – es war noch vor der bald darauf folgenden Hitzewelle.
Auf dem Bootsplatz gab es verschiedene Programmpunkte. So hatte zum Beispiel der Vater von Ariane einen Ruder-Mixer gebaut. Das heißt, ein Ruderergometer erzeugte einen direkten mechanischen Antrieb für einen konventionellen Mixer mit ausgebautenm Elektromotor. Für einen Smoothie, denn man hinterher gleich trinken konnte, musste man etwa 30-60 Sekunden rudern.
Weitere Programmpunkte waren Festtagsreden von passenden Würdenträgern aus Sport und Politik, sowie ein Orchester, das populäre Evergreens spielte. Ein Geschichtsverein stellte aus und ein Bogenschießclub lud zum Ausprobieren des Bogenschießens ein. Abends ein langes Menü mit Alleinunterhalter und Tanzfläche in der städtischen Mehrzweckhalle. Unter Anderem mit Absingen des Jubiläums-Vereinslieds, was sich allerdings als recht herausfordernd gestaltete. Nun, Ruderer sind keine Sänger. Davor waren wir noch bei einer Führung durch ein nahe gelegenes Eisenbergwerk, das bis 1965 im Betrieb war. Durch die Innensstadt von Nancy flanierten wir ebenfalls eine ganze Weile.
2029 wird der Karlsruher Ruder-Verein Wiking sogar bereits 150 Jahre alt, was gebührend gefeiert sollte. Ideen und Unterstützung sind herzlich willkommen!
(Text: Hannes Blank)