Derzeit wird viel darüber berichtet, dass die großen Flüße zu wenig Wasser führen (z.B. die Süddeutsche Zeitung: "Deutschland trocknet aus"). Frachtschiffe können nicht fahren und Fähren können niemanden auf die andere Seite des Flußes bringen, weil die Rampen nicht weit genug hinunter reichen.
Hinunter geht es für uns Ruderinnen und Ruderer an unserem Bootssteg. So selten wie jetzt nutzen wir die volle Treppenlänge und ein bisschen mehr sonst nur selten. Maria von den Masters schlug vor, das Hafentor zuzumachen. Dann hätten wir vielleicht so etwas wie eine riesige gefüllte Badewanne neben einem ausgetrockneten Flußbett.
Wir Ruderer brauchen sowieso nicht viel Wasser zum Rudern. Wie aus den Bootstaufen bekannt, brauchen wir nur "eine Handbreit Wasser unter dem Kiel". Die Pegelstände sollten also künftig die Zusatzinformation haben, wie viel Handbreit (HB) Wasser unter dem Kiel (wahlweise unter dem Schwert) noch zur Verfügung stehen. Z.B. Pegel Wiking 5,5 HB, Pegel RDK 8,2 HB, Pegel KRA 4,8 HB usw.
Gerne wird auch über Schätze berichtet, die bei Niedrigwasser auftauchen. Ganze Kriegsschiffe (Donau, Serbien) oder Hungersteine (Rheinkilometer 449,4 Worms). Im Bereich vor dem Bootshaus sind leider keine Schätze aufgetaucht. Auch nicht der Riggerschlüssel, den ich dort 1986 versehentlich ins Wasser geworfen habe. Stattdessen gibt es viel Mülle in unterschiedlichen Verrottungsphasen zu sehen.
Die trocken ragenden Auftriebskörper der Bootsgaragen der Wasserschutzpolizei machen einen dystopischen Eindruck. Polizeiboote sind keine mehr im Rheinhafen. Ist er damit ein rechtsfreier Raum? Manchen ist vielleicht aufgefallen, das wir dank des Niedrigwassers derzeit eine große, tipptopp renovierte, glatte Beckenrand-Wand bekommen. Wo bleiben die Graffitti-Künstler, wenn mal sie mal braucht? Banksy ist angefragt, kann aber nicht kommen. Der Grund: Der britische Streetart-Maler kommt nicht über den Ärmelkanal, denn der liegt trocken.
(Text und Fotos: Hannes Blank)





