„Diszipliniertes Muskelbündel mit bewundernswerter Zähigkeit“

21. Oktober 2026 - 21. Oktober 2026

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Sind Ruderer unter sich, unterhalten sie sich meistens über das Rudern – so heißt es. Dann geht es um Boote, Schlagzahlen, Ruderreviere und frühere Regattaerfahrungen. Doch was bedeutet es für das spätere Leben, wenn man in seiner Jugend den Rudersport ausgeübt hat?

dm-Geschäftsführer Christoph Werner hat in einer Firmenkolumne darüber geschrieben. (den Link zum kompletten Text siehe unten). Sein Vater und Firmengründer Götz Werner (1944-2022) war Ruderer. Christoph Werner schreibt, dass der Rudersport seinem Vater maßgeblich geprägt hat. „Mein Vater war ein Mensch, der sich nicht leicht verunsichern ließ und auch bei Widerstand Kurs zu halten verstand“, schreibt der Sohn und führt diese Charaktereigenschaft darauf zurück, dass sein Vater in seiner Jugend (übrigens in Heidelberg) ruderte. Fragt man das Internet nach berühmten Persönlichkeiten, die Ruderer sind oder waren, werden zunächst Ruderathletinnen und -athleten genannt, die sportlich erfolgreich waren. Die Überraschungen in der Liste sind diejenige, die man zunächst nicht mit dem Rudersport in Verbindung bringt. Oft ruderten sie an US-amerikanischen Universitäten. Hugh Laurie („Dr. House“) zum Beispiel ruderte 1980 für Cambridge im Boot Race-Achter, Gregory Peck („To kill a mocking bird“, „Roman Holiday“) ruderte für die University of Berkeley und Edward Norton („Fight Club“) für die Universität Yale.

Frauen tauchen in den Internetlisten kaum auf. Da muss man schon deutlich genauer nachhaken und dann taucht nur Fürstin Beatrix, die ehemalige Königin der Niederlande, auf. Unter den Deutschinnen wird vom Internet nur Paula Lambert genannt – eine offenbar populäre Sex-Beraterin aus Bayern.

Doch führt eine Ruderjugend damit automatisch zu einer irgendwie besseren Menschwerdung? Thomas Bernhard (1931-1989) ist ein bekannter österreichischer Schriftsteller. Er war kein Ruderer, eher Spaziergänger. Aber im Sommer 2026 gab es eine große Thomas Bernhard-Ausstellung in Wien und man konnte ihn, den großen Menschenbeobachter, zum Thema Ruderer befragen. Also natürlich nicht direkt ihn, denn er ist nun schon recht lange tot, sondern einen mit seinem Einlassungen programmierten Chatbot. Auf die Frage „Ist der Ruderer ein wertvoller Mensch?“ sagte der Thomas Bernhard-Chatbot folgendes: “Der Ruderer ist nur dann ein wertvoller Mensch, wenn man dieses Wort <wertvoll> überhaupt noch ohne Erbrechen aussprechen kann, denn er bewegt sich mit einer lächerlichen, zugleich bewundernswerten Zähigkeit im Wasser, diesem großen Gleichmacher und hält sich dadurch für einen Charakter, obwohl er meistens nur ein diszipliniertes Muskelbündel ist. Wertvoll ist er höchstens in der Sekunde, in der er begreift, daß auch sein Sieg nur eine nasse, sofort verdunstende Eitelkeit ist.“

(Text: Hannes Blank / Idee: Heide Müller / Foto: pixabay)

https://www.dm.de/unternehmen/alverde-magazin/in-welcher-welt-wollen-wir-leben/kolumnen-von-christoph-werner/sport-im-verein-verbindet-3446534

Artikel vom: 21. Oktober 2026